Was passiert bei einer Schulterarthrose?
Ist die Mechanik des Schultergelenks gestört, etwa durch Defekte an der Rotatorenmanschette, verlässt der Oberarmkopf (Humeruskopf) seine ursprüngliche Position im Gelenk und steigt nach oben unter das Schulterdach. Dadurch kommt es zu Fehlbelastungen des Schultergelenkknorpels, zum verstärkten Knorpelabrieb und letztendlich zur Schultergelenkarthrose. Hat der Oberarmkopf mit dem Knochen des Schulterdaches Kontakt, spricht man von einer so genannten Defektarthropathie. Durch den Knorpelschaden kann es auch zu oft schmerzhaften Knochenneubildungen (Osteophyten) an den Rändern des Gelenkes kommen.
Die Beschwerden dieser Erkrankung sind relativ unspezifisch. Die Patienten klagen häufig über Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkungen des Gelenks. Recht typisch dagegen ist ein allmählicher Beginn von diffusen Schulterschmerzen, oft in Ruhe nach Belastungen oder während Tätigkeiten, welche die Schulter belasten. Auch das Liegen auf der betroffenen Schulter kann sehr schmerzhaft sein. Bewegungseinschränkungen im Schultergelenk treten jedoch erst relativ spät auf. Im Lauf der Zeit kommen allgemeine Bewegungsschmerzen der Schulter hinzu, vor allem bei Drehbewegungen (Rotation) des Armes. Der Bewegungsumfang des Schultergelenks wird mit zunehmender Erkrankung geringer, beginnend mit der Drehbewegung des Armes nach außen (Außenrotation). Fortgeschrittene Verschleißerscheinungen haben schließlich eine schmerzbedingte Schonhaltung und Funktionseinschränkungen zur Folge.
Am Oberarmkopf sind vor allem die Zonen betroffen, die bei der Abduktion der Schultergelenkspfanne einen Kontaktwinkel von 60-90° haben, da bei dieser Stellung der Anpressdruck am größten ist.
An der Schultergelenkspfanne (Glenoid) selbst betrifft die Knorpelerweichung hauptsächlich den hinteren Bezirk und geht dort mit einem vermehrten Abrieb einher, da sich bei der Armbeugung die glenohumerale Kontaktfläche nach hinten verschiebt. Fälle mit zentralen Abnutzungserscheinungen sind dagegen weitaus seltener.
Übersicht Therapieverfahren (die geeignete Methode wird durch die jeweils individuelle Indikation bestimmt):
| Konservative Behandlungsmethoden | Operative Behandlungsmethoden |
| Schulterorthese |
Arthroskopische Operation |
| Kyrotherapie |
|
| Physikalische Therapie |
|
| Stoßwellenbehandlung |
Ursachen der Schulterarthrose
Bei der primären Schulterarthrose bleibt die Ursache der Erkrankung in den meisten Fällen unklar. Eine Rolle können familiäre Häufungen von Gelenkerkrankungen oder langjährige körperliche Belastungen der Schultergelenke spielen.
Die sekundäre Omarthrose dagegen kann verschiedene Ursachen haben:
- Schäden an der Rotatorenmanschette (vor allem Supraspinatusmuskel)
Diese werden oft durch Degenerationen (Verschleiß) oder Unfallereignisse verursacht und führen zum Verlust der Stabilität und zur Störung der Mechanik im Schultergelenk. - Operationen am Schultergelenk
Wird das Schultergleichgewicht durch Operationen an der Schulter, etwa nach Schultergelenkverrenkungen (Schulterluxation) gestört, können diese eine Schulterarthrose verursachen. Die Raffung der vorderen Schulterkapsel kann dazu führen, dass der Oberarmkopf nach hinten gedrückt wird und zu einer Störung der Mechanik führt. Hierbei kommt es zur Überlastung des Pfannengelenkknorpels (Glenoid) im hinteren Schulterbereich. - Unfälle
Verletzungen des gelenkbildenden Schulterblattes oder des Oberarmkopfes können zu Unebenheiten der Knorpelflächen oder zu Gelenkfehlstellungen führen. Dadurch kommt es zum vermehrten Knorpelabrieb und schließlich zur Schulterarthrose. - Entzündungen
Selten sind bakterielle Entzündungen der Schulter. Diese entstehen entweder durch Keimverschleppung über den Blutweg oder durch ärztliche Behandlungsmaßnahmen (iatrogen), beispielsweise nach Operationen oder Spritzengabe. Durch die Bakterien selbst und durch von ihnen gebildete Stoffe kann das Gelenk rasch schwer geschädigt werden. Häufiger sind nicht-bakterielle Schultergelenkentzündungen wie die chronische Polyarthritis (Gelenkrheuma). Die chronisch entzündete Gelenkschleimhaut wächst in den Gelenkknorpel und zerstört diesen zunehmend. - Oberarmkopfsterben (Humeruskopfnekrose)
Wird der Knochen nicht mehr richtig durchblutet, kann der Oberarmkopf absterben und zur Schulterarthrose führen, wenn der knorpeltragende Anteil des Oberarmkopfes zusammenbricht. - Seltene Ursachen
- Chondromatose
- Gicht
- Hämochromatose
- Syringomyelie
- Diabetische Osteoarthropathie
Wie wird die Diagnose gestellt?
Im Röntgenbild kann die typische Verschmälerung des Gelenkspaltes bei Omarthrose erkannt werden. Die primäre Schulterarthrose zeigt in vielen Fällen einen Verbrauch der hinteren Anteile der Gelenkpfanne. Sind auf dem Röntgenbild Knochenanbauten (Osteophyten) zu erkennen, ist dies ein Zeichen der bereits fortgeschrittenen Erkrankung. Später kann es auch zu einer Verformung (Deformierung) des Oberarmkopfes kommen.
In einzelnen Fällen kann eine Kernspin-Tomographie erforderlich sein, um die Beschaffenheit der Gelenkpfanne beurteilen zu können. Auch für die Planung einer Schulterprothese und zum Ausschluss anderer Krankheiten ist sie von großer Bedeutung.
Die Spreizfuß-Behandlung?
Durch konservative (nicht operative) Maßnahmen lässt sich eine Omarthrose nicht heilen. Die Behandlung zielt auf eine Schmerzlinderung, Erhaltung und Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und Muskelkräftigung ab. Dadurch soll die Funktion der Schulter erhalten und das Fortschreiten der Arthrose minimiert werden. Zu den konservativen Therapiemöglichkeiten gehören:
- Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente
- Krankengymnastik
- Physikalische Therapie (Kühlen, Stromanwendungen)
Bringen diese Maßnahmen keine Besserung, muss an eine operative Therapie gedacht werden. Die arthroskopische Schultergelenkreinigung (Debridement) und eventuell die gleichzeitige Entfernung des Schulterdachschleimbeutels können eine Linderung erzielen. Liegt eine schwere Schulterarthrose vor, ist die empfohlene Therapie der endoprothetische Gelenkersatz (Schulterprothese). Die verschlissenen Gelenkanteile des Oberarmkopfes und der Schulterpfanne werden durch Prothesen ersetzt.
Was ist beim Sport zu beachten?
Generell gilt, dass alle für die Schulter extrem belastenden Sportarten tabu sein sollten. Insbesondere Kontakt- und Wurfsportarten sowie Aktivitäten mit großer Hebelwirkung wie Golfen oder Tennisspielen sollten vermieden werden. Dass Sportarten wie Rugby oder American Football nicht zu den empfohlenen Freizeitbeschäftigungen bei Schulterproblemen gehören, versteht sich von selbst.
Sämtliche Bewegungen, bei denen physikalisch große Zug- und Scherbelastungen entstehen, und Sportarten mit erhöhter Sturzgefahr wie Inlineskaten oder Mountainbiken sind ebenso wenig zu empfehlen.
Sicherlich kommt es dabei immer auf die Intensität der Ausübung des jeweiligen Sportes an. Ein Freizeitsportler, der am Wochenende auf sein Mountainbike steigt, ist sicher weniger gefährdet, als ein fanatischer Cross-Country-Downhill-Fahrer.
Zu empfehlen sind dagegen alle Sportarten, die der allgemeinen Fitness dienen, aber die Schulter nicht zu stark gefährden: Walking, Joggen, Radfahren und Brustschwimmen sind gut geeignet. Bei sorgsamer Ausübung sind sogar Golf oder Skilaufen vertretbar.
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